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Kann ChatGPT auf deiner Website selbstständig einen Kauf abschliessen?

Was im Januar 2026 wirklich möglich ist – und was nicht

In den letzten Wochen hören wir von vielen Onlinehändlerinnen und Onlinehändlern dieselbe Frage:

„Können Kundinnen und Kunden meine Produkte inzwischen direkt über ChatGPT kaufen?“

Die kurze Antwort lautet: manchmal – aber nur für eine sehr kleine Gruppe von Händlern.

Und nein: Das hat nichts mit SEO, Google Merchant Center oder „Optimierung für ChatGPT“ zu tun, wie es in Social Media oft dargestellt wird.

Dieser Artikel soll die Verwirrung ein für alle Mal auflösen.

Wir klären:

  1. Was „Instant Checkout in ChatGPT“ überhaupt ist

  2. Wer es heute nutzen kann – und wer nicht

  3. Was du tun solltest, wenn dein Shop nicht auf Shopify läuft


1) Was „Instant Checkout in ChatGPT“ eigentlich ist

OpenAI arbeitet derzeit daran, Shopping- und Checkout-Funktionen direkt in ChatGPT zu integrieren. Dieses Thema läuft unter Begriffen wie Agentic Commerce, unterstützt durch technische Spezifikationen wie den Product Feed Spec und das Agentic Commerce Protocol (ACP).

Wichtig ist dabei vor allem, was es nicht ist:

  • Es geht nicht um Sichtbarkeit in der Suche

  • Es geht nicht um Google Merchant Center

  • Und es geht nicht darum, dass ChatGPT deinen Shop „crawlt“

Stattdessen handelt es sich um eine direkte Commerce-Integration, bei der:

  • Produktdaten in einem fest definierten Format bereitgestellt werden

  • Preise und Verfügbarkeiten aktuell gehalten werden

  • der Checkout innerhalb von ChatGPT gestartet werden kann

Kurz gesagt:
Das ist ein zusätzlicher Checkout-Kanal – kein Marketingkanal.

Wenn dich der breitere Kontext rund um KI-Sichtbarkeit und Suche interessiert, haben wir das hier separat eingeordnet:
https://wolfundbaer.ch/de/blog/the-window-to-become-visible-in-ai-search-chatgpt-and-others-is-closing.-are-you-in


2) Der meistmissverstandene Punkt: „approved merchants“

Ein einzelner Satz sorgt aktuell für den grössten Teil der Verwirrung:

Instant Checkout in ChatGPT ist nur für genehmigte Händler verfügbar.

Das bedeutet nicht:

  • genehmigte Plattformen

  • genehmigte Agenturen

  • oder „alle Shops mit der richtigen Software“

Es bedeutet ganz konkret:

👉 Der einzelne Shopbetreiber (der Merchant) muss genehmigt werden.
👉 Diese Genehmigung ist nicht garantiert.

Die Shop-Software entscheidet nur darüber, ob du dich überhaupt bewerben kannst – nicht darüber, ob du akzeptiert wirst.


3) Wenn dein Shop auf Shopify läuft

Stand Januar 2026 befinden sich Shopify-Händler in einer besonderen Situation.

Wenn dein Shop auf Shopify läuft:

  • kannst du grundsätzlich Instant Checkout in ChatGPT beantragen

  • es ist keine eigene Plattform-Integration nötig

  • du musst den Zugang aber aktiv anfragen

Wichtig dabei:

  • nicht jeder Shopify-Händler wird freigeschaltet

  • der Rollout erfolgt schrittweise

  • es gibt keine Zusage oder Garantie

Man sollte das Ganze eher als Early-Access-Programm verstehen – nicht als Standardfunktion.

Wenn du Shopify nutzt, kann es sinnvoll sein:

  • die Dokumentation zu lesen

  • die wirtschaftlichen Auswirkungen zu verstehen

  • und dann bewusst zu entscheiden, ob sich eine Bewerbung lohnt


4) Wenn dein Shop nicht auf Shopify läuft

Hier sollten wir sehr klar sein.

Wenn du auf einer dieser Plattformen arbeitest:

  • WooCommerce

  • Shopware 6

  • Magento / Adobe Commerce

  • oder einer individuellen / Headless-Lösung

👉 kannst du Instant Checkout in ChatGPT heute nicht einfach oder offiziell nutzen.

Theoretisch erlaubt OpenAI auch Nicht-Shopify-Händlern die Teilnahme, wenn sie:

  • den geforderten Product Feed implementieren

  • einen Checkout gemäss Agentic Commerce Protocol bauen

  • und als Händler genehmigt werden

In der Praxis bedeutet das:

  • individuelle Entwicklung

  • erheblicher technischer Aufwand

  • kein Plugin, das man „einfach installiert“

Für die meisten Shops ist das aktuell nicht realistisch.


5) Warum das zu Joost de Valks Warnung passt

Diese Situation passt sehr gut zu einem aktuellen Artikel von Joost de Valk, dem Gründer von Yoast:
https://joost.blog/deafening-silence-google-wordpress-agentic/

Joost macht dort auf etwas Unangenehmes aufmerksam:

Als Google kürzlich seine Zukunftsvision rund um agentic commerce und neue Standards (z. B. das Universal Commerce Protocol) vorgestellt hat, waren unter den Launch-Partnern unter anderem Shopify, BigCommerce, Etsy, Stripe, Visa, Walmart und Target.

WordPress und WooCommerce waren nicht einmal am Tisch.

Sein Punkt ist dabei nicht funktional, sondern strukturell:
Wenn neue Standards ohne ein Ökosystem definiert werden, landet dieses Ökosystem automatisch in der „langsamen Spur“ – egal wie verbreitet es heute ist.


6) Ein praktischer Gegenpunkt: KI-Agenten warten nicht immer auf Standards

In einer internen Diskussion bei Wolf + Bear kam ein wichtiger Gegenargument auf.

Sprachmodelle sind längst nicht mehr nur Textgeneratoren – sie werden zu Agenten.

Wir sehen bereits heute, dass Modelle wie Claude:

  • Tools wie Google Analytics bedienen können

  • sich durch Oberflächen klicken

  • Reports erstellen, ohne dass es dafür ein spezielles Protokoll gibt

Das deutet darauf hin, dass KI-Agenten langfristig auch bestehende E-Commerce-Systeme bedienen könnten, selbst wenn diese keine neuen Commerce-Standards „nativ sprechen“.

Aber:

  • diese Zukunft ist noch nicht produktisiert

  • und nichts, worauf Händler heute bauen sollten

Im Moment liegt der Vorteil klar bei Plattformen, die bereits integriert sind.


7) Was du jetzt tun solltest

Wenn dein Shop auf Shopify läuft

  • Verstehe zuerst, was Instant Checkout in ChatGPT wirklich bedeutet

  • Bewirb dich nur, wenn es zu deinem Geschäftsmodell passt

  • Betrachte es als Experiment – nicht als Kernstrategie

Wenn dein Shop auf einer anderen Plattform läuft

  • Ignoriere den Hype

  • Konzentriere dich auf das, was heute funktioniert:

    • saubere Produktdaten

    • starke Produkt- und Kategorieseiten

    • strukturierte Auszeichnung

    • performance-orientierte Feeds und Werbung

Diese Grundlagen entscheiden über Sichtbarkeit und Conversion – mit oder ohne KI-Checkout.


Fazit

Instant Checkout in ChatGPT ist real – aber nicht universell.

Stand Januar 2026 gilt:

  • Shopify-Händler haben den klarsten Zugang (mit Genehmigung)

  • alle anderen müssen warten, individuell integrieren oder auf bewährte Kanäle setzen

Diese Unterscheidung zu verstehen ist entscheidend.

Nicht weil KI-Commerce unwichtig wäre –
sondern weil Entscheidungen aus Hype heraus gefährlicher sind als das Verpassen einer frühen Beta.