Skip to content

Marktplätze fressen deine WooCommerce-Kunden – und genau deshalb solltest du mitspielen

Niemand mag Kannibalen. Aber wer versteht, wie Marktplätze funktionieren, kann ihre Reichweite nutzen, ohne die Kontrolle über das eigene E-Commerce-Business zu verlieren.

Wenn du heute mit einem WooCommerce-Shop unterwegs bist und Marktplätze konsequent meidest, lässt du sehr wahrscheinlich Umsatz liegen. Nicht, weil dein Shop schlecht ist – sondern weil sich das Spiel verändert hat.

Marktplätze sind heute extrem kapitalstark. Sie kaufen sich Reichweite ein, dominieren Google Ads, besetzen immer mehr Touchpoints in der Customer Journey und ziehen damit Kund:innen früh zu sich. Sie haben eine Long-Term-Hockey-Stick-Strategie: kurzfristige Verluste sind einkalkuliert, Marktanteile sind das Ziel.

Viele Shopbetreiber reagieren emotional darauf und sagen:
„Ich will unabhängig bleiben. Ich verkaufe nur über meinen eigenen WooCommerce-Shop.“

Das fühlt sich gut an – ist strategisch aber oft kurzsichtig.

Die bessere Frage ist nicht, ob du Marktplätze nutzen solltest, sondern wie.

Meine Perspektive: Praxis statt Theorie

Ich war mehrere Jahre Bestseller auf Amazon Deutschland – in einer klar definierten Kategorie. Drei Jahre lang. Das bedeutete viel Arbeit, viel Umsatz und viel Stress. Parallel dazu habe ich immer meinen eigenen WooCommerce-Shop betrieben und aktiv Traffic dorthin gelenkt. Der Markenname auf Amazon war identisch mit dem Namen meines Shops. Marktplatz-Verkäufe waren für mich nicht nur Umsatz, sondern auch Branding – ein riesiges Billboard.

2018, 2019, 2020 funktionierte dieses Modell sehr gut.

Nach dem Ausstieg bei Amazon habe ich mich bewusst auf den eigenen Shop konzentriert. Das Geschäft lief stabil, profitabel und planbar – aber es erreichte ein Plateau. Rund 2 Mio. Umsatz pro Jahr, konstant über mehrere Jahre. Gute Margen, volle Kontrolle – aber begrenztes Wachstum.

Vor etwas mehr als einem Jahr haben wir einen neuen Test gemacht:
Nicht das ganze Sortiment auf Marktplätze bringen, sondern nur ausgewählte Bestseller.

Das Ergebnis war überraschend:
Die Umsätze auf dem Marktplatz kamen dazu – und gleichzeitig stiegen die Umsätze im eigenen WooCommerce-Shop deutlich an. In unserem Fall: fast Verdopplung.

Warum Marktplätze heute so dominant sind

Der Hauptgrund ist einfach: Geld.

Marktplätze kaufen sich Reichweite. Sie investieren massiv in Google Ads, auch in Nischen. Sie akzeptieren hohe CACs, weil sie langfristig denken. Sie müssen nicht heute profitabel sein.

Als einzelner Shopbetreiber kannst du dieses Spiel kaum gewinnen. Selbst wenn du sehr gut arbeitest, wirst du früher oder später überboten – auch in deiner eigenen Kategorie.

Hier entsteht oft die Illusion von Kontrolle:
„Wenn ich nicht auf Marktplätzen verkaufe, habe ich meine Kunden für mich.“

In Wahrheit gilt:
Wenn du nicht sichtbar bist, kaufen die Kund:innen einfach woanders.

Hybrid statt Entweder-oder

Die sinnvollste Strategie 2026 ist kein Entweder-oder, sondern ein bewusstes Hybrid-Modell:

Marktplätze für:

  • Reichweite
  • Volumen
  • Neukundengewinnung
  • Sichtbarkeit in umkämpften Märkten

Dein WooCommerce-Shop für:

  • Markenaufbau
  • Kundenbeziehung
  • Wiederkäufe
  • Newsletter
  • Cross- & Upselling
  • Margen

Marktplätze sind kein Ersatz für deinen Shop.
Sie sind ein Verstärker – wenn du sie richtig nutzt.

Kannibalisierst du dich selbst?

Diese Frage kommt immer wieder – und sie ist berechtigt.

Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt auf dein Produkt an.

Wenn du eigene Produkte und eine eigene Marke hast, ist das Risiko deutlich geringer. Deine Produkte sind nicht 1:1 vergleichbar. Du kontrollierst Story, Qualität und Wahrnehmung.

Wenn du hingegen reine Handelsware weiterverkaufst, die auch zehn andere Seller anbieten, ist die Gefahr real. Dort entstehen schnell Preiskämpfe, Margenverlust und Abhängigkeit.

Das bedeutet nicht, dass Marktplätze schlecht sind – sondern dass sie unterschiedliche Strategien erfordern.

Wie viel Marktplatz ist zu viel?

Aus unserer Erfahrung lassen sich grobe Leitplanken definieren:

  • Grün: 20–40 % Marktplatz-Umsatz
    → gesunde Balance, Marktplätze als Wachstumskanal
  • Gelb: 40–60 %
    → funktioniert, aber Abhängigkeit steigt, aktives Gegensteuern nötig
  • Rot: über 60–70 %
    → hohes Risiko. Ein Regel- oder Gebühren-Change kann dein Business sofort treffen

Ein guter Reality-Check lautet:
Würdest du drei Monate überleben, wenn ein Marktplatz deinen Account sperrt?

Wenn die ehrliche Antwort „nein“ ist, hast du ein Problem.

CAC verstehen – auch außerhalb von Marktplätzen

Viele Händler kennen ihre Kosten nur auf Marktplätzen, nicht aber für den eigenen Shop.

CAC (Customer Acquisition Cost) bedeutet:
Was kostet dich ein neuer Kunde wirklich?

Formel:
Marketingkosten ÷ Anzahl Neukunden = CAC

Im eigenen Shop ist der CAC oft höher als gedacht – aber dort hast du etwas, das Marktplätze dir nicht geben: Lifetime Value.

Ein Kunde kauft nicht nur einmal. Er kommt zurück, kauft Zubehör, Folgeprodukte, reagiert auf E-Mails. Diese Effekte fehlen auf Marktplätzen fast komplett.

Fazit: Spiel das Spiel – aber bewusst

Marktplätze kaufen sich Kund:innen. Das ist Realität.

Du kannst dagegen kämpfen – oder du nutzt diese Dynamik für dich.

Nutze den Traffic dort, wo er entsteht.
Baue deine Marke dort, wo dir die Beziehung gehört.

Das ist kein Kontrollverlust.
Das ist E-Commerce 2026.

Wenn du dazu sparren möchtest oder deine aktuelle Verteilung kritisch prüfen willst, melde dich gern bei uns.